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Coudenhove kalergiRichard PraktischerIdealismus Adel Technik Pazifismus1925201S.Scan .pdf



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PAZIFISMUS

UBR
06903
1840355

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R. N. C O U D E N H O V E , K A L E R G I

P RA K T I S C H E R
IDtrALISMt]S
A D E L - T E C H N IK - P A Z I F - I S U
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P A N E U R O P A - V E R L A G
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AIIe Rechte uorbehalten
Copgright 1925 bg Pan-Europcr-Verlaq
Druck der Elbentühl Papierlabriken und
Graphische lndustrie -1. G., Il-len l'1.

5oz,;

E

VORWORT
ist Heroismus;
Praktischer Idealismus
Wer nicht
ist E-udämonismus'
\[ate;iaii*t"
oraktischer
Grund' ideal zu handeln;
*ti""n
it*
glaub;
er
län ldeale
und zu leiden' Denn
kämpfen
zu
loder für Ideale
einzigenWert: die Lust;
nur-einen
kennt und anerkennt
den Schmerz'
td"ut
,ro, "in einzigesÜbel:
und Bekenntnis 1lT'
Ciuuben
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als
Heroismut
höhere Werte gibt
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voraus: clie ÜbeJzettgu"g'
als Schmerz'
f-t.t .,na größereÜbel
Menschsich durch die ganze
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c"g""'it"
und
Dieser
der Gegensatzvon Epikuräern
ist
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heitsgeschichte;
ii viel tief er als der zwischen
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Dieser
an
Stoikern'
es gab Epikuräer' die
denn
Athei-sten:
Theisten und
es gab IdeaEpikur. seltst; und
wie
glaubten'
Götter
waren wie Buddha'
listen, die Atheisten
um den Glauben an
nicht
hier
"fto
Es hantleft täden Glaubenan Werte' '- aber
Götter- t""tt;;; um
ist voraussetzungsloser
Der )lateriaiismus
der Idealismusist
"tälnschöpferi"tttt;
phantasierottt'
oft in Unsinn
und verstrickt sich
problematisch
immer
die Menschclennochverdankt ihm
und Wahtti"tt *cl
und Taten'
ft"i it"" größten Werke

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tokratie der
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n
demokraftl"i"ti"fitmus mit dem
eltensoverwandt' wie
III

g tischen. Auch Demokratie glaubt mehr an die Zahl als
I an den Wert, meftr an Glück als an Größe.
Darum kann politische Demokratie nur dann fruchtbar und schöpferisch u'erden, wenn sie die Pseudo'Aristokratie des Namens und des Goldes zertrümnert,
um an deren Stelle eine neue Aristokratie des Geistes
und der Gesinnung ervig neu ,r'. geiratett'
tr)emokra1 Der letzte Sinn der politischen
den
i t i e a l s o i s t : g e i s t i g e A r i s t o k r a t i e ; s i ew i l l
il\Iaterialisten Genuß schaffen, den Idealisten Macht'
Der Führer soll an die Stelle des Herrschers f1'gfsnder edle Sinn an die Stelle des edlen Namens '- das
reiche Herz an die Stelle der reichen Tasche' Das ist
der Sinn der Entrvicklung, die sich demokratisch nennt.
Jeder andere Sinn rväre Kultur-Selbstmord.
Darum ist es kein Zufall, daß P I a t o n zugleich der
Prophet der geistigen Aristokratie und der sozialistischen \\rirtschaft rvar; und zugleich der Vater der idealistischen \Yeltanschauung'
und Sozialismus,
, ristokratie
DennbeideA
s i n d :p r a k t i s c h e r I d e a l i s m u s .
Der asketische Idealismus des Südens offenbarte sich
d e r h e r o i s c h eI d e a l i s m u s d e s N o r d e n s
als Religion;
a l sT e c h n i k .
Denn die Natur des Nordens war eine Herausforderung an den X{enschen.Andere Völkerschaften unterwarfen sich; der Europäer nahm die Herausforderung
an und kämpfte. Er kämpfte, bis er stark genug war'
die Erde zu unterrverfen: er kämpfte. llis er die Natur
selbst, die ihn herausgefordert hatte. in seine Dienste
zwang.
Dieser Kampf forderte Heroismus und zeugte Heroismus. So wurde für Europa der Held das, rvas der HeiIV

lige für Asien war; und die Heldenverehrung ergänzte
die Heiligenverehrung.
Das tätige Ideal trat an die Stelle des beschaulichen,
und es galt als größer, für ein Ideal zu kämpfen, als
zu leiden.
Der Sinn dieser heroischen Weltmission hat Europa
erst seit cler Neuzeit ganz erfaßt; denn erst mit der Neuzeit beginnt sein technisches Zeitalter, sein Befreiungskrieg gegen den Winter. Dieses jechnische Zeitalter ist
zugleich das Zeitalter der Arbeit. Der Arbeiter ist der
Held unserer Zeit; sein Gegensatzist nicht der Bürger
- sondern der Schmarotzer. Ziel des Arbeiters ist das Schaffen, des Schmarotzers - das Genießen.
Darum ist die Technik neuzeitliches Helc l e n t u m L r n c lc l . r ' f f i i l r
praktischer Idealist.
*
Das politische und soziale Problem des
2 0 .J a h r h u n d e r t s i s t : d e n t e c h n i s c h e n F o r t s c h r i t t d e s 1 9 . e i n z u h o l e n . D i e s eF o r d e r u n gd e r
Zeit wird dadurch erschwert, daß die Entwicklung der
'fechnik
ohne Pause sich im rascheren Tempo weiter
r-c,llzieht als die Entwicklung des l\fenschen und der
]Ienschheit. Diese Gefahr kann entrveder abgewentlet
werden, indem die llenschheit den technischen Fortschritt verlangsamt, oder indem sie den sozialen Fortschritt beschleunigt. Sonst verliert sie ihr Gleichgewicht
und überschlägt sich. Der Weltkrieg war eine Warnung.
So stellt Technik den Menschen vor die Alternative:
Selbstmord oder Verständigung!
Darum wird die Entwicklung der Welt in
den kommenden Jahrzehnten ohne Beispiel sein. Das heutige Mißverhältnis von technischer

und sozialer organisation wird entweder zu vernichtenden Katastrophen führen - oder zu einem politischen
Fortschritt, der an Raschheit und Gründlichkeit alle
historischen vorbilder hinter sich läßt und ein neues
Blatt der \Ienschheitsgeschichteeröffnet.
Da die Technik der menschlichen Stoßkraft und dem
Heroismus neue \Yege rveist, beginnt der Krieg im Bewußtsein der tr{enschheit seine historische Rolle auszuspielen. Sein Erbe ist die Arbeit. Die Nlenschheit wird
sich eines Tages organisieren' um gemeinsam der Erde
alles abzuringen, was sie ihr heute noch vorenthält. Sobald diese Auffassung sich durchringt, rvird jeder Krieg
ein Bürgerkrieg sein und jeder Mord ein Mord. Das Zeitalter des Krieges rvird dann ebenso barbarisch scheinen,

1
Menschenfresserei'
I wie heute das Zeitalter der
Diese Entwicklung rvird kommen, wenn lvir an sie
glauben und für sie kämpfen; wenn rvir rveder so kurzsichtig sind, die großen Linien der Entrvicklung aus den
Augen zu verlieren - noch so rveitsichtig, die praktischen wege und Hindernisse zu übersehen,die zrvischen
uns und unseren zielen liegen: wenn rvir klarsichtig
sind. und das klare wissen um die bevorstehenden
Kämpfe und Schwierigkeiten verbinden mit dem heroischen Willen, sie zu überwinden.
Nur dieser optimismus des wollens wird den Pessimismus der Erkenntnis ergänzen und besiegen'
statt in den Fesseln der unzeitgemäßen Gegenrvart
zu verharren und tatenlos von besseren llöglichkeiten
zu träumen, *.ollen wir also tätigen Anteil nehmen an
Idead e r E n t w i c k l u n gd e r \ V e l t d u r c h p r a k t i s c h e n
lismus.
Wien, November L925.
VI

A D E L
1 9 2 0

Dem Andenken meines Vaters
DT. HEINRICH GRAF COUDENH}VE.RALERGI
in Verehrung und Dankbarkeit

ERSTERTEIL:

Y O ] I R U S T I K A L E NU I { D U R B A N E N
}IENSCHEN

1.LANDMENSCH -

STADTMENSCH

Land und Stadt sind die beiden pole menschlichen
Daseins. Land und Staclt zellgen ihre besonderen
l l e n s c h e n t v p e n d: e n r u s t i k a l e n
und urbanen
\Ienschen.
Rustikalmensch und Urbanmensch sind psychologisch
Antipoden. Bauern verschiedenster Gegenden gleichen
einander seelischoft mehr als den Städtern der benachbarten Großstadt. Zwischen Land und Land, zwischen
Stadt und Stadt liegt der Raum - zwischen Stadt und
Land die Zeit. Unter den europäischenRustikahnenschen
leben Vertreter aller Zeitalter: von der Steinzeit bis zum
]Iittelalter; rvährend nur die weltstädte desAbendlandes,
die den ertremsten Urbantvpus hervorgebracht haben,
Repräsentantenneuzeitlicher Zivilisation sind. So trennen Jahrhunderte, oft Jahrtausende, eine Großstacltvom
flachen Lande, das sie umgibt.
Der Urbanmensch denkt anders, urteilt anders,
empfindet anders, handelt anders als der Rustikalmensch. Das Großstadtleben ist abstrakt, mechanisch,
rational - das Landleben konkret, organisch, irrational.
Der Städter ist rationalistisch, skeptisch, ungläubig - der
Landmann emotionalistisch, gläubig, abergläubisch.

Alles Denken und Fühlen des Landmannes kristallisiert sich um die N a t u r, er lebt in Symbiose mit dem
Tier, dem lebendigen Geschöpf Gottes, ist verwachsen
mit seinerLandschaft, abhängig von Wetter und Jahreszeit. Kristallisationspunkt der urbanen Seele hingegen
i s t d i e G e s e l l s c h a f t ; s i e l e b t i n S y m b i o s em i t d e r
lVfaschine,dem toten Geschöpf des \Ienschen; durch sie
macht sich der Stadtmensch möglichst unabhängig von
Zeit und Raum, von Jahreszeit und Klima.
Der Landmensch glaubt an die Gervalt der Natur über
den Menschen - der Stadtmensch glaubt an die Gewalt
des Menschen über die Natur. Der Rustikalmensch ist
Naturprodukt, der Urbanmensch Sozialprodukt; der
eine sieht Zrveck, NIaß und Gipfel der Welt im Kosmos,
der andere in der \Ienschheit.
D e r R u s t i k a l m e n s c hi s t k o n s e r v a t i v
rvie die
Natur- der Urbanmensch
f ortschrittlich
*'ie die
Gesellschaft. Aller Fortschritt tiberhaupt geht von
Städten und Städtern aus. Der Stadtmensch selbst ist
meist das Produkt einer Revolution innerhalb eines
ländlichen Geschlechtes,das mit seiner rustikalen Tradition brach, in die Großstadt zog und dort ein Leben
auf neuer Basis begann.
Die Großstadt raubt ihren Bewohnern den Genuß der
Naturschönheit; als Entschädigung bietet sie ihnen
K u n s t. Theater, Konzerte, Galerien sind Surrogate für
die ewigen und rvechselnden Schönheiten der Landschaft. Nach einem Tagrverk voll Häßlichkeit bieten jene
Kunstinstitute dem Städter Schönheit in konzentrierter
F'orm. Auf dem Lande sincl sie leicht entbehrlich. N a t u r i s t d i e e x t e n s i v e ,K u n s t d i e i n t e n s i v e
Erscheinungsform der Schönheit.
Das Verhältnis des Urbanmenschen zur Natur, die ihm
10

tehlt, wird von der Sehnsucht beherrscht; während die
\atur dem Rustikalmenschen stete Erfüllung ist. Daher
empfindet sie der Städter vorwiegend romantisch, der
Landmensch klassisch.
Die soziale (christliche) Moral ist ein urbanes Phänonren: clenn sie ist eine F unktion des menschlichen
Zusammenlebens,der Gesellschaft.Der typische Städter
verbindet christliche Moral mit irreligiöser Skepsis,
rirtionalistischem Materialismus und mechanistischem
\theismus. Die Weltanschauung, die daraus resultiert,
ist die des Sozialismus:
die moderne Großstadtreligion.
Fiir den rustikalen Barbaren Europas ist das Christentum kaum nrehr als eine Neuauflage des Heidentums
nrit veränclerter }lvthologie und neuem Aberglauben;
-.eine rvahre Religion ist Glaube an die Natur, an die
Ir.raft, an das Schicksal.
Stadt- und Landmensch kennen einander nicht; darum
inißtrauen und mißverstehen sie einander und leben in
verhüllter oder offener Feindschaft. Es gibt vielerlei
Schlagrvorte,unter denen sich diese elementare Gegner., haft verbirgt: Rote und Grüne Internationale; Indu>trialismusund Agrariertum; Fortschritt und Reaktion;
Juclentunruncl Äntisemitismus.
Alle Stäciteschöpfen ihre Kräfte aus dem Lande; alles
I-and schöpft seine Kultur aus der Stadt. Das Land ist
der Boden, aus dem die Städte sich erneuern; ist die
Quelle, die sie speist; die Wurzel, aus der sie blühen.
\täclte rvachsenund sterben: das Land ist ewig.

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2. JUNKER-LITERAT
Blüte des Rustikalmenschen ist der Landadelige, der
J u n k e r. BIüte des Urbanmenschen ist der Intellekt u e l l e ,d e r L i t e r a t .
Land und Stadt haben beide ihren spezifischenAdelst1'pus gezeugt: \Villensaclel steht gegen Geistesadel,Bluta d e l g e g e nH i r n a d e l .D e r t : ' p i s c h e J u n k e r v e r b i n d e t e i n ) I a x i m u n a n Ch a r a k t e r m i t e i n e m
der t:'pische LiMinimum an Intellekt terat ein Maximum an Intellekt mit einem
I \ Ii n i m u m a n C h a r a k t e r .
Nicht immer und überall mangelte es dem Landadel
an Geist, dem Stadtadel an Charakter; wie im England
der Neuzeit war im Deutschland der Minnesängerzeit
der Blutadel ein hervorragendesKulturelement; $.ährend
anderseits der katholische Geistesadelder Jesuiten und
der chinesische Geistesadel der Jlandarinen in ihrer
Blütezeit ebensoviel Charakter rvie Geist llerviesen'
Im Junker uncl Literaten gipfeln die Gegensätzecles
rustikalen und urbanen )Ienschen. T1'pischerBeruf cler
Junkerkaste ist der offiziersberuf: t1'pischerBeruf der
Literatenkaste der Journalistenberuf.
72

Der Junker-Offizier blieb, psychisch wie geistig, auf
der Stufe des Ritters stehen. Hart gegen sich und andere,
pflichttreu, energisch, standhaft, konservativ und beschränkt, lebt er in einer Welt dynastischer, militaristischer, nationaler und sozialer Vorurteile. Mit einem
tiefen ]Iißtrauen gegen alles Moderne, gegen Großstadt,
Demokratie, Sozialismus, Internationalismus verbindet
er einen ebenso tiefen Glauben an sein Blut, seine Ehre
und die Weltanschauung seiner Väter. Er verachtet den
Städter, vor allem den jüdischen Literaten und Journalisten.
Der Literat eilt seiner Zeit voran; vorurteilsfrei vertritt
er moderne Ideen in Politik, Kunst, Wirtschaft. Er ist
fortschrittlich. skeptisch. geistreich, vielseitig, wandelbar; ist Eudämonist, Rationalist, Sozialist, Materialist.
Er überschätzt den Geist, unterschätzt Körper und
Charakter: und verachtet daher den Junker als rückständigen Barbaren.
Wesen des Junkers ist Starrheit des Willens
Wesen des Literaten ist Beweglichkeit des Geistes.
Junker und Literat sind geboreneRivalen und Gegner:
\vo die Junkerkaste herrscht, muß Geist der Gewalt
rveichen; in solchen reaktionären Zeiten ist der politische
Einfluß cler Intellektuellen ausgeschaltetoder mindestens
eigeschränkt. Herrscht die Literatenkaste, muß die
Gewalt dem Geiste lveichen: Demokratie siegt über
Feudalismus, Sozialismus über Militarismus.
Der Haß der Willensaristokratie und der Geistesaristokratie Deutschlands gegeneinander wurzelt im
l\Iißverstehen. Jede sieht nur die Schattenseiten der
anderen und ist blind gegen deren Vorzüge. Die Psyche
cles Junkers, des Rustikalmenschen, bleibt selbst hochstehendenLiteraten ewig verschlossen;während fast allen
73

:

Junkern die Seele des Intellektuellen, des Urbanmenschen, fremd bleibt. Statt von dem anderen zrr
lernen, blickt der jüngste Leutnant mit Geringschätzung
auf die führenden Geister moderner T'iteratur herab,
während der letzte winkeljournalist für hervorragende
offiziere nur überlegene verachtung empfindet. Durch
dieses doppelte Nlißverstehen fremder Mentalität hat
erst das militaristische Deutschland die widerstandskraft der urbanen Massen gegen den Krieg unterschätzt,
dann clas revolutionäre Deutschland die widerstandskraft der rustikalen Massen gegen die Revolution. Die
Führer des Landes verkannten die Psyche der Stadt unct
ihre Neigung zum Pazifismus - die Führer der städte
verkannten clie Psyche des Landvolkes und ihre Neigung
zur Reaktion: so hat Deutschland erst den Krieg verloren, dann die Revolution.
Die Gegensätzlichkeitdes Junkers und des Literaten
ist darin begründet, claß cliese beiden T1'pen Extreme,
sind. Denn
nicht Gipfelpunkte von Blut- und Geistesaclel
die höchste Erscheinungsform des Blutadels ist der
c l e sG e i s t e s a d ecllsa sG e n i e ' D i e s e
Grand-seigneur,
beiden Aristokraten sind nicht nur vereinbar: sie sind
verrvandt. C ä s a r, die Vollendung des Grand-seigneur,
war der genialste Römer; G o e t h e, der Gipfel an
Genialität, war von allen deutsöhön DiChtern am meisten
Grand-seigneur. Hier wie iiberall entfernen sich die
Mittelstufen am stärksten, während die Gipfel sich
berühren.
Der vollendete Aristokrat ist zugleich Aristokrat des
Willens uncl des Geistes.aber rveclerJunker noch Literat.
Er verbindet \veitblick mit \\'illensstärke. Llrteilskraft
mit Tatkraft, Geist rnit cl'rarakter. Fehlen solche s1'nthetische Persönlichkeiten, so sollten die divergierenden
74

I
!

Aristokraten des Willens und des Geistes einander
ergänzen, statt bekämpfen. In Agypten, Indien, Chalctäa
herrschten einst Priester und Könige (Intellektuelle und
Krieger) gemeinsam. Die Priester beugten sich vor der
Kraft des Willens, die Könige vor der Kraft des Geistes:
Hirne u'iesen die Ziele, Arme bahnten die Wege.

15

F
E

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=
=
E
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F

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3.GENTLEIIAN

-

BOHE\IIEN

Blut- und Geistesadel Europas schufen sich ihre
spezifischen Typen: Englands Blutadel den Gentlem a n ; F r a n k r e i c h sG e i s t e s a d edle n B o h Ö m i e n '
Gentleman und Bohömien begegnen sich im Bestreben,
der öden Häßlichkeit spießbürgerlichen Daseins zu entfliehen: der Gentleman überrvindet sie durch Stil, cler
t s o h ö m i e nc l u r c hT e m p e r a m e n t . D e r G e n t l e m a ns e t z t
der Formlosigkeit tles Lebens Form - der Bohömien
der Farblosigkeit des Lebens Farbe entgegen'
Der Gentleman bringt in die L nordnung rnenschlicher
Beziehungen Ordnung - der BohÖmien in deren Unfreiheit Freiheit.
Die Schönheit des Gentleman-Idealsberuht auf Form'
S t i l , H a r m o n i e :s i e i s t s t a t i s c h , k l a s s i s c h , a p o l I i n i s c h. Die Schönheit des Bohömien-Ideals beruht
auf Temperament, Freiheit, Vitalität: sie ist d -vn am i s c h , r o m a n t i s c h , d i o n . vs i s c h '
Der Gentleman idealisiert uncl stilisiert seinen Reichflp - der Bohömien iclealisiert und stilisiert seine
Armut.
Der Gentleman ist auf Tradition gestellt,der Bohömien
auf Protest: daswesen des Gentleman ist konservativ16

das Wesen des Bohömien revolutionär. Mutter des
Gentleman-Idealesist England, das konservativste Land
Wiege der Bohöme ist Frankreich, das
Europas
revolutionärste Land Europas.
Das Gentleman-Ideal ist die Lebensform einer Kaste das Rohöme-Ideal Lebensfortn von Persönlichkeiten.
f)as Gentleman-Ideal weist jenseits von England
zurück zur römischen Stoa - das Bohöme-Ideal weist
jenseitsvon Frankreich zurück auf die griechischeAgora.
Die römischen Staatsrnännernäherten sich dem Gentlernantypus, die griechischen f'hilosophen dem Bohömientypus: Cäsar und Seneca \Yaren Gentlerlen,
Solirates und Diogenes Bohömiens.
Der Schrverpunkt cles Gentlenlan liegt irn PhysischPs1'chischen- cles Bohömien im Geistigen: der Gentleman darf Dummkopf, der Bohömien darf Verbrecher
sein.
Beide Ideale sind menschliche Kristallisationsphänomene: wie der Kristall nur in unstarrer Urngebung sich
bilden kann, so verdanken jene beiden Ideale ihr Dasein
der englischen und französischen F'reiheit.
f e h l t e d i e s eA t m o I m l i a i s e r l i c h e nD e u t s c h l a n d
sphäre zur Persönlichlieitskristallisation:daher konnte
es kein ebenbi.irtigesIcleal entrvickeln. Zum Gentleman
fehlte dern Deutschen der Stil, zuln Bohömien das
Temperament, zu beiclen Grazie und Geschmeidigkeit.
Da er in seiner Wirklichkeit keine ihm angemessene
Lebensform fand, suchte der Deutsche in seiner Dichtung
nach idealen Verkörperungen deutschen Wesens: und
f a n d a l s p h y s i s c h - p s y c h i s c h eI ds e a l d e n j u n g e n S i e g f r i e d , a l s g e i s t i g e sI d e a l d e n a l t e n F a u s t .
Beide Ideale waren romantisch-unzeitgemäß: in der
Verzerrung der Wirklichkeit erstarrte das romantische
2

Coudenhove-I(alergi,

Adel.

77

Siegfried-Idealzum preußischenOffizier, zum Leutn a n t - das romantische Faust-Ideal zum deritschen
P ro f e sso r .
G e l e h rte nzrrrn
,
An die Stelle organischer Ideale traten mechanische:
der Offizier repräsentiert die Mechanisierung des Psychischen: den erstarrten Siegfried; der Professor die
Mechanisierungdes Geistigen:den erstarrten Faust'
Auf keine seiner Klassen war das wilhelminische
Deutschland stolzer als auf seine offiziere und Professoren.In ihnen sah es die Blüte der Nation, wie England
in seinen politischen Führern, die romanischen Völker
in ihren Künstlern.
Will das deutscheVolk Höherentwicklun$, so muß es
seine Ideale revidieren: seine Tatkraft muß die militärische Einseitigkeit sprengenund sich weiten zu politischmenschlicher vielseitigkeit; sein Geist muß die reinwissenschaftlicheEnge sprengen und sich rveiten zur
Synthesedes Dichter-Denkers.
Das neunzehnteJahrhunderthat dem deutschenvolke
zwei Männer größten Stiles geschenkt, die diese
Forderungenhöheren Deutschtumsverkörperten: Bismarck, den Heros der Tat; qg-g$e, den Heros des
Geistes.
Bismarck erneuert, vertieft und belebt das kitschig .
gewordene Siegfried-Ideal - qg*h9 erneuert, vertieft
und belebt das verstaubte Faust-Ideal.
Bismarck hatte die guten Eigenschaftendes deutschen
Offiziers - 6hns dessenFehler; 9g*!" hatte die guten
Eigenschaften des deutschen Gelehrten - ohne dessen
Fehler. In Bismarck überrvindet die Llberlegenheitdes
in
Staatsmannesclie Beschränktheit des Offiziers
Goethe überwindet die Überlegenheit des Dichterdäüöt. die Beschränktheitdes Gelehrten:in beiden das
18

organische Persönlichkeitsideal das Mechanische, der
Nlenschdie Marionette.
Durch seinevorbildliche Persönlichkeit hat Bismarck
mehr für die Entwicklung des Deutschtums getan als
durch seine Reichsgründung; durch sein olympisches
Dasein hat Goetlp das deutschevolk reicher beschenkt
als durch seinen F aust: denn Faust ist, wie Goetz,Werther, Ileister und Tasso,nur ein Fragment von Goethes
\Ienschentum.
Deutschland sollte sich aber hüten, seine beiden
iebendigenvorbilder zu verkitschenund herabzuziehen:
aus Bismarck einen Feldwebel,aus G99th9einen Schulmeisterzu machen.
An cler Nachfolge dieser beiden Gipfel deutschen
]Ienschentums könnte Deutschland wachsen und gesunden; von ihnen kann es tätige und beschauliche
Größe lernen, Tatkraft und Weisheit. Denn Bismaick
sind die beiden Brennpunkte, um die sich
und Q-Oethe
ein neuer deutscher Lebensstil bilden könnte, der den
rvestlichenIdealen ebenbürtig wäre.

79

4. IN ZTJCHT -

I(RtrUZUNG

N ' { e i s ti s t d e r R u s t i k a l m e n s c hI n z u c h t p r o d u k t '
d e r U i ' b a n m e n s c hM i s c h l i n g '
Eltern und Yoreltern des Bauern stammen gervöhnlicli
aus cler gleichen. cliinnllevölkerten Gegend; des Adeligen
aus derselben chinnen obersc'hicht. In beiclenIriillen sind
die Yorfahren untereinancler llltttsr-errv:tncitttncl claher
meistphl-sisclt.psl-clrisclr.geistigeintrnderälrnlich.
InfolgeCessen vererllen sie ihre gemeinsamen Zi\ge'
Willenstendenzen, Leiclenschaften' \-orurteile' Hemmungen in gesteigertem Gracle auf ihre Iiinder und
Nachkommen. Die Wesenszüge' die sich aus dieser
Inzucht ergeben, sind: Treue, Pietät, Familiensinn'
Kastengeist, Beständigkeit, Starrsinn, Energie' Reschränktlieit; I'Iacht der Vorurteile, I\'Iangel an Objelitir.ität, Enge cles Horizontes. llier ist eine Generation
nicht Yariation cier vorherg^elienclen,sonclern einfach
deren \\'ieclerholting: an clie Stelle r-ou Entrviclilung tritt
Erhaltung.
In der Großstaclt llegegnen sich Yiilker' Rassen'
Stände. In der Regel ist cler L rbaumensch ]lischling aus
verschiedensten sozialen ttncl nationalen Elementen. In
ihm heben sich die entgegengesetztencharalitereigen20

schaften, Vorurteile, Hemmungen, Willenstendenzen
und Weltanschauungen seiner Eltern und Voreltern auf
ocler schwächen einander rvenigstensab. Die F olge ist,
daß hfischlinge vielfach Charakterlosigkeit, I{emmungslosigkeit, \Villensschwäche, Unbeständigkeit, Pietätlosigkeit nncl Treulosigkeit mit Objektivität, Vielseitigkeit,
geistiger Regsamkeit,Freiheit von Vorurteilen und Weite
des Horizontes verbinden. l\'Iischlingeunterscheiden sich
stets von ihren Eltern und Voreltern; jede Generation
ist eine Variation der vorhergehenden, entrveder im
Sinne der Evolution oder der Degeneration.
D e r I n z u c h t m e n s c ihs t E i n s e e l e n n l e n s c h - d e r
l'Iischling ]i ehr s e el en n e n s c h. In jedemlndividuum
leben seineAhnen fort als Elemente seiner Seele:gleichen
sie einander, so ist sie einheitlich, einförmig; streben sie
auseinander, so ist der N'Iensch vielfältig, kompliziert,
differenziert.
Die Größe eines Geistesliegt in seiner Extensität, das
ist in seiner Fähigkeit, alles zu erfassen und zu umfassen;
die Größe eines Charakters liegt in seiner Intensität, das
ist in seiner F ähigkeit, stark, konzentriert und beständig
z u r v o l l e n .S o s i n d , i n g e r v i s s e mS i n n e ,\ \ ' e i s h e i t u n d
T a t k r a f t W i a l e r s p r i ic h e .
Je ausgesplochener clie F-iiliigkeit und Neigung eines
iVlenschen,clie Dinge ais \\'eiser yon allen Seiten zu sehen
und sich vorurteilsfrei auf jeden Standpunkt zu stellen
- desto schwächer ist meist sein Willensimpuls, nach
einer bestimmten Richtung hin unbedenklich zu handeln:
denn jedem Motiv stellen sich Gegenmotive entgegen,
jedem Glauben Skepsis, jeder Tat die Einsicht in ihre
kosmische Redeutungslosigkeit.
Tathräftig kann nur der beschränkte, der einseitige
llensch sein. Es gibt aber nicht bloß eine unbewußte,

n a i ve : e s g i b t a u ch e i n e bewußte,her oische Be- unfl 2u
s c h r ä n kth e i t. D e r h e ro ischBeschr änkte
diesemTypus zählenalle wahrhaft großenTatmenschen
- schaltet zeitrveisefreiwillig alle Seiten seinesWesens
aus, bis auf die eine, die seineTat bestimmt. Objektiv,
kritisch, skeptisch, überlegen kann er vor oder nach
seinerTat sein:u'ährendder Tat ist er subjektiv,gläubig,
einseitig,ungerecht.
Weisheithemmt Tatkraf t - Tatkraft verleugnet Weisheit. Der stärkste \Ärille ist
w i r k u n g s l o s ,w e n n e r r i c h t u n g s l o s i s t ; a u c h
e i n s c h w a c h e rW i l l e l ö s t s t ä r k s t e W i r k u n g
a u s ,w e n n e r e i n s e i t i g i s t .
Es gibt kein Leben der Tat ohne Unrecht, Irrtum,
Schuld: rver sich scheut,diesesOdium zrr tragen, der
bleibe im Reiche des Gedankens,der Beschaulichkeit,
Wahrhafte Xlenschensind immer
der Passivität. jede
Behauptung ist, in gervissem
schweigsam:denn
}lenschensind immer inaktiv:
Sinne,Lüge; herzensreine
denn jede Tat ist, in gewissemSinne,Unrecht.Tapferer
aber ist es, zu reden, auf die Gefahr hin, zu lügen; zu
handeln, auf die Gefahr hin, Unrecht zu tun.
Inzucht stärkt den Charakter, schwächt
den Geist - Kreuzung schwächt den Char a k t e r , s t ä r k t d e n G e i s t . W o I n z u c h tu n d K r e u zung unter glücklichen Auspizien zusammentreffen,
zeugensie den höchsten Menschentypus,der stärksten
Charakter mit schärfstem Geist verbindet. Wo unter
unglücklichen Auspizien Inzucht und llischung sich
begegnen,schaffen sie Degenerationstypenmit schrvachem Charakter, stumPfem Geist.
Der Mensch der fernen Zukunft rvird tr'Iischlingsein'
Die heutigen Rassenund Kasten werden der zunehmen22

den Überwindung von Raum, Zeit und Vorurteil zum
O p f e rf a l l e n .D i e e u r a s i s c h - n e g r o i d e Z u k u n f t s r a s s e, äußerlich der altägyptischen ähnlich, wird die
Vielfalt der Völker durch eine Vielfalt der Persönlichkeiten ersetzen. Denn nach den Vererbungsgesetzen
wächst mit der Verschiedenheitder Vorfahren die Versclriedenheit,mit der Einförmigkeit der Vorfahren die
Einförmigkeit der Nachkommen. In Inzuchtfamilien
gleicht ein Kind dem anderen: denn alle repräsentieren
den einen gemeinsamenFamilientypus. In I'{ischlingsfarnilien unterscheidensich die Kinder stärker voneinander: jedes bildet eine neuartige Variation der divergierendenelterlichenund vorelterlichenElemente.
I n z u c h t s c h a f f t c h a r a k t e r i s t i s c h eT y p e n
- Krevzung schafft originelle Persönlichkeiten.
Vorläufer des planetaren Menschen der Zukunft ist
im modernenEuropa der Russe als slawisch-tatarischfinnischer Mischling; weil er, unter allen europäischen
Völkern, am wenigsten Rasse hat, ist er der typische
Mehrseelenmensch
mit der weiten, reichen, allumfassenden Seele. Sein stärkster Antipode ist der insulare
B r i t e, der hochgezüchteteEinseelenmensch,dessen
Kraft im Charakter, im Willen, im Einseitigen,Typischen
liegt. Ihm verdankt das moderne Europa den geschlossensten,vollendetstenTypus: den Gentleman.

23

5.HEIDNISCHE UND CHRISTLICHE
MENTALITAT

il

Zwei Seelenformen ringen um Weltherrschaft: HeiMit den Konfessionen,
clentum und Christentum.
die diese Namen tragen, haben jene Seelenformen nur
sehr äulJerliche Beziehungen. \\rird der Sch'n'erpunkt
vom Dogmatischen ins Ethisclte, r'ont llythologischen
ins Psychologische verlegt. so rvandelt sich Bucldhismus
in Ultra-Christentum. rvährend Ämerikanismus als
ist
modernisiertes Heidentum erscheint. Der Orient
Hauptträger
Hauptträger christlicher, der Okzident
heiclnischerMentalität: die,,heidnischen" Chinesensind
bessere Christen als die ,,christlichen" Germanen.
H e i d e n t u m s t e l l t T a t k r a f t , C h r i s t e n t u mL i e b e a n
die Spitze der ethischen Wertskala. Christliches Ideal ist
der liebende Heilige, heidnischesIdeal der siegendeHeld.
Christentum rvill den horno fertts in einen homo clomesticus rvandeln. clas Raulttier \Iensch in das Haustier
rvrihrend Heiclentum den ]Ienschen zllm
Nlensch
rvill
Ü b e r m e n s c h e nu m s c h a f l e nr v i l l . C h r i s t e n t u m
Heidentum
Tiger zu Katzen zähmen
Katzer. zrrTigern steigern.
Hauptverkünder modernen Christenturns war T o l24

ll

stoi; Hauptverkünder modernen Heidentums Nietzsche.
Ilie germanische Edda-Religion rvar reinstes Heidentum. Littter christlicher X{askelebte sie fort: im tv-[ittelalter
als ritierliche, in der Neuzeit als imperialistische und
militari:tische Weltanschauung. Offiziere, Junker, Kolonisatoren. Industriekapitäne sind die führenden Repräsentanten moclernen Heidentums. Tatkraft, Tapferkeit,
Größe, Freiheit, X{acht, Ruhrn und Ehre: das sind die
Icleale des Heidentums; rvährend l-iebe. Ililde' f)emut,
\titleicl und Selbstverleugnung chrisiliche Ideale sind.
Die Antithese: Heidentum-Christentutn declit sich
rveclermit cler Antithese: Rustikalnensch-Urbanmensch,
nric| mit : Inzricht-Iit'euzung.Zrveifellosaber begünstigert
Rustihalbarbarei uncl Inzucht die Entwicklung heidnischer. Urbanzivilisation und l\Iischung die Entwicklung
christlicher \{entalität.
Allgemeingi.iltiger heidnischer Individualismus ist nur
in dünnbevölkerten Erdstrichen möglich, wo der Einzelne
sich behaupten und rücksichtslos entfalten kann, ohne
gleich in Gegensatzzu seinen hlitrnenschen zu geraten.
In iibervölkerten Gegenden,lvo Nlensch an ]Iensch stößt,
mulJ clas sozialistische Prinzip gegenseitiger Unterstiitzung clas inclivicltralistischePrinzip des Daseinskampfes ergänzen rtncl. zunt Teil, r'erdrängen.
und Sozialisrnus sind interChristentum
nationale GrolJstadtprodukte. Das Christentum nahm
als Weltreligion seinen Ausgang von der rasselosen
Weltstadt Rom; der Sozialisrnus von den national
gemischten Industriestädten des Abendlandes. Beide
Außerungen christlicher Mentalität sind auf Internationalismus aufgebaut. Der Widerstand gegen das
Christentum ging von der Landbevölkerung' aus
25

ist' das
(pagani); so wie es auch heute das Landvolk
den
der Verwirklichung sozialistischer Lebensform
stärksten Widerstand entgegenstellt'
nördliche Gegenden
Immer waren dünnbevölkerte'
Z e n t r e n h e i d n i sch e n \V o l l e ns,dichtbevölker tesüdliche
Wo heute
GegendenBrutstätten christlichen Fühlens'
Seelenlebens
vom Gegensatzöstlichen und rvestlichen
nichts verstanden
die Rede ist, rvird meistens darunter
Südensund
als jener Gegensatzzwischen}lenschen cles
desNordens.DerJapaner'alsnördlichsterKulturwähorientale,nähert sich vielfach dem Okzidentalen;
Südamerikaners
rend die Mentalität desSüditalienersund
scheint der
orientalisch ist. Für die Zustände der Seele
der LängenBreitegrad entscheidender zv sein als
grad.
Lage: auch die historische
Nicht nur die geographische
eines
Entwicklung rvirkt l-"tii*ttttnd auf die Seelenform
rvie das jüdischevolk empfinden
volkes. Das chinesische
rveil ihre
deshalb christlicher als das germanische'
steht zeitlich
Kulturvergangenheitälter ist' Der Germane
Jude; diese
dem Wilden näher als der Chinese oder
gründlicher von
beiden alten Kulturvölker konnten sich
emander heidnisch-natürlichen Lebensauffassung
länger
zipieren, weil sie mindestens drei Jahrtausende
Symptom
d i z u Z e i t h a t t e n- . H e i d e n t u m i s t e i n
Christentum ein
kultureller Jugend
SymPtom kulturellen Alters'
DreiVölker:Griechen,Römer'Judenhaben'
j e d e sa u fse i n e We i se ,d i e a ntikeKultur r velter ober t.Er st
Yolk der Griechen: im
das ästhetisch-philosophische
Volk der
d a n n d a s p raktisch- politische
H e l l e ni s-,r.;
das
R ö m e r :i m I m p e r i u m R o m a n u m ' s c h l i e ß l i c h
Volk der Juden: im Christentum'
ethisch-religiöse
26
a
F

.

,

g
t L

l

Das Christentum, ethisch von jüdischen Essenern
(Johannes),geistigvon jüdischenAlexandrinern (Philo)
vorbereitet,rvar regeneriertesJudentum. Soweit Europa
Sinne) jüdisch;
christlich ist, ist es (im ethisch-geistigen
soweit Europa moralisch ist, ist es jüdisch. trast die
g a n z ee u r o p ä i s c h eE t h i k w u r z e l t i m J u d e n t u m. Alle Vorkämpfer einer religiösenoder irreligiösen
christlichen Moral, von Augustinusbis Rousseau,Kant
und Tolstoi, rvaren Wahljuden im geistigen Sinne;
Nietzsche ist der einzige nicht-jüdische, der einzige
heidnischeEthiker Europas.
Die prominentesten und überzeugtestenVertreter
christlicher Ideen, die in ihrer modernen Wiedergeburt
Pazifismusund Sozialismusheißen,sind Juden.
Im Osten ist das chinesischeVolk das ethische par
excellence(im Gegensatzzu den ästhetisch-heroischen
Japanern und den religiös-spekulativenIndern) - im
der alten
Westendas jüdische.Gott war Staatsoberhaupt
Juden, ihr Sittengesetzbürgerliches Gesetzbuch,Sünde
war Verbrechen.
von
D e r t h e o k r a t i s c h eI d
ne ed e r I d e n t i f i k a t i o n
W
a
n
d
e
ld e r
i
m
P o l i t i k u n d E t h i k i s t d a sJ u d e n t u m
und
J a h r t a u s e n d etre u g e b l i e b e n : Chr istentum
S o z i a l i s m u s s i n d b e i d e sV e r s u c h ee, i n G o t t e s r e i c h
zu errichten. Vor zn'ei Jahrtausendenwaren die Urchristen,nicht die Pharisäerund Sadduzäer,Erben und
Erneuerer mosaischerTradition; heute sind es weder die
Zionisten noch die Christen, sondern die jüdischen
Führer des Sozialismus: denn auch sie wollen, mit
höchster Selbstverleugnung,die Erbsünde des Kapitalismus tilgen, die Menschen aus Unrecht, Gewalt und
Knechtschaft erlösen und die entsühnte Welt in. ein
irdisches Paradies wandeln.

L

:
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=
:

'eine
Diesen jüdischen Propheten der Gegenwart, die
neue Weltepocire vorbereiten, ist in allem das Ethische
primär: in Politik, Religion, Philosophie und Kunst. Von
Hauptproblem ji.icliI,fosesbis Weininger war Ethik
scher Philosophie. In dieser ethischen Grundeinstellung
zur Welt liegt eine \Vurzel der einzigartigen Größe des
jüdischen Volkes - zugleichaber die Gefahr',daß Ji'iden,
die ihren Glauben an die Etliik verlieren, zu zynischen
Egoisten herabsinken: rvährend llenschen anderer
i\{entalität auch nach Verlust ihrer ethischen Einstellung
noch eine trülle ritterlicher Werte ttnd Vorttrteile
(Ehrenmann, Gentleman, Kavalier usrv.) äbrigbehalten,
die sie vor dem Sturz in das Werte-Chaos schützen.
Was die Juden von den Durchschnitts-Städtern hauptsächlich scheiclet, ist, daß sie Inzuchtmenschen sind.
Charakterstärke verltttnden mit Geistesschärfe prädestiniert den Juden in seinen hen-orragenclsten Exerlplaren zum Fiihrer urbaner ]Ienscltheit, zttm falschen
wie zum echten Geistesaristokraten.zun Protagonisten
des Kapitalismus rvie der Rer-olution'

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28

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6 . G E I S T E S H E R R S C H A F TS T A T T
SCHWERTHERRSCHAFT
Unser demokratisches Zeitalter ist ein klägliches
Zwischenspiel zwischen zrvei großen aristokratischen
des
E p o c h e n :d e r f e u d a l e n A r i s t o k r a t i e
Schwertes und dersozialen Aristokratie des
G e i s t e s. Die Feudalaristokratie ist im Verfall, die
Geistesaristokratieim Werden. Die Zwischenzeitnennt
sich demokratisch, wird aber in Wahrheit beherrscht
von der Pseudo-Aristokratiedes Geldes.
Im Nlittelalter herrschtein Europa der rustikale Ritter
über den urbanen Bürger, heidnischeNlentalität i.iber
christliche, Blutadel über Hirnadel. Die Überlegenheit
des Ritters über den Bürger beruhte auf Körper- und
Charakterstärke,auf Kraft und NIut.
Zwei Erfindungen haben das Nlittelalter bezwungen,
die Neuzeit eröffnet: die Erfindung des Pulvers
bedeutetedas Ende der Ritterherrschaft, die Erfindung
des Buchdrucks den Anbruch der Geistesherrschaft.
Körperkraft und Mut verloren durch die Einführung der
Bedeutungim DaseinsFeuerwafle ihre ausschlaggebende
kampf: Geistwurde, im Ringen um Macht und Freiheit,
zur entscheidendenWaffe.

F

DerBuchdruckgabdemGeisteinl\[achtmittelvon
I'Ienschunbegrenzter Tragweite; rückte ciie schreibende
so den
heit in clen Nlittelpunlit cler lesenden und erhob
SclrriftstellerzrtnrgeistigenFiilrrerder\{assen.(iutendie
b e r g h a t c l e n F ' e c l e r nc l i e ] I a c h t g e g e h e n '
hatte'
Schlvarz den Sclirvertern genomlnen
größercs
\{it Hilfe rler Druckerschrvärze hat Luther ein
Reich erobert als alle detttschen Iiaiser'
I n d e r E p o c h ec l e sa u f g e k l ä r t e n I ) e s p o t i s m t t s
ciie
gehorchten Flerrscher und Staatsmänner den Ideen'
vonDenkernstamnrten.DieScliriftstellerjenerZeil"
Sieg des
bildeten eine geistige Aristokratie Europas' Der
bedeuteteden ersten
Absolutismus iiber den F-er.rdalisrnus
die erste
Sicg der Staclt iiber das l'and und zugleich
des
Etlippt' iul Siegeslauf cles Geistesadels,im Sturz
Schrvertaclcls.Ail clie Steile cler llrittelaiterlichen Ditrrtatur
c l e s l - : r n c l e si i l ; e r t i i e S i a t l t l r a t c l i e n e t l z e i t l i c h e
Diktatur cier Stltlt iibcr tias Lancl'
clen
x t i t d e r f r a n z ö s i s c h e n R e \ i o l t t t i o n . c l i em i t
zrveite
Privilegien des Blutaclels llrach' begann die
Epoche der Ernanzipation cles Geistes' Demokratie
geistiberuht auf cler optiinistischen \-oraussetzung' ein
gei.Aclelkönneclurch<lieVolksnehrheiterkanntund
gervählt rverclen.
\un siehen rvir an der Schrvelle der dritten Epoche
auf
d e r \ e u z e i t : d e s S o zial i s m u s. Auch er stützt sich
die url-ranelil:lsse cler Intlustriearbeiter, geführt von cler
revoltttionärer Schrilttg e i s t i g e n t - i ' l r a t Aristoliratie
steller.
D e r E i n f l u ß c l e sB l u t a c l e l s s i n k t ' d e r E i n f l u ß d e s G e i s t e s a c l e l sr v ü c h s t '
f)iese Entwicklung. uncl clamit das Chaos rnoderner
Politih, r,vird erst dann ein Ende {inden, bis eine geistige
32

Aristokratie die Machtmittel der Gesellschaft: Pulver,
Gold, Druckerschwärze an sich reißt und zum Segen der
Ällgemeinheit verwendet.
Eine entscheidende Etappe zu diesem Ziel bildet der
wo eine kleine Schar
r u s s i s c h eB o l s c h e w i s m u s ,
kommunistischer Geistesaristokraten das Land regiert
und bewußt mit dem plutokratischen Demokratismus
bricht, der heute die übrige Welt beherrscht.
Der Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus
um das Erbe des besiegtenBlutadels ist ein Bruderkrieg
des siegreichen Hirnadels, ein Kampf zrvischen indiviclualistischem und sozialistischem, egoistischem und
altruistischem, heidnischem und christlichem Geist. Der
Generalstab beider Parteien rekrutiert sich aus der
geistigen Führerrasse Europas: dem Judentum
Kapitalismus und Kommunismus sind beide rationalistisch, beide mechanistisch, beide abstrakt, beide urban.
Der Schwertadel hat endgültig ausgespielt. Die Wirkung des Geistes,die Macht des Geistes,der Glaube an
den Geist, die Hoffnung auf den Geist wächst: und mit
ihnen ein neuer Adel.

a

Coudenhove -Kalergi, Adel.

33

E

E

E
F

-

7.ADEI,SDAMMERUNG

E

E

Im Verlauf e der Neuzeit wurde der Blutadel durch die Hof -Atmosphäre, der Geistesadel durch den Kapitalismus vergiftet.
Seit dem Ende der Ritterzeit befindet sich der Hochadel des kontinentalen Europa, mit spärlichen Ausnahmen, im Zustande progressiver Dekadenz. Durch
seine Urbanisierung hat er seine körperlichen und
seelischenVorzüge verloren.
Zur Zeit des Feudalismus rvar der Blutadel dazu
berufen, sein Land gegen Angriffe des Feindes und
Übergriffe des Herrschers zu schützen. Der Edelmann
war frei und selbstbewußt gegen Untergebene, Gleichgestellte, Höhergestellte; König auf seinem Landbesitz'
konnte er nach ritterlichen Grttndsätzen seine Persönlichkeit frei entfalten.
Der Absolutismus änderte diese Situation: der oppositionelle Adel, der, frei, stolz und tapfer, auf seine
historischen Rechte bestand, rvurde, sorveit es ging, ausgerottet; der Rest n'urde an den Hof gezogen und dort
in eine glänzende Knechtschaft gedrängt. Dieser Hofadel
war unfrei, abhängig von den Launen des Herrschers
und seiner lr,amarilla; so mußte er seine besten Eigen34

= i
:L\

schaften verlieren: Charakter, Freiheitsdrang, Stolz,
Führerschaft. Um den Charakter und damit die Widerstandskraft des französischen Adels zu brechen, lockte
ihn Ludwig XIV. nach Versailles; der großen Revolution
blieb die Vollendung seines Werkes vorbehalten: sie hat
dem Adel, der seine Vorzüge preisgegeben und verloren
hatte, seine überlebten Vorrechte genommen.
Nur in jenen Ländern Europas, wo der Adel, seiner
ritterlichen Mission treu, Führer und Vorkämpfer der
nationalen Opposition gegen monarchischen Despotismus und Fremdherrschaft blieb, erhielt sich ein adeliger
Pührertypus: in England, Ungarn, Polen, Italien.
Seit der Wandlung der europäischen Kultur aus einer
ritterlich-rustikalen in eine bürgerlich-urbane blieb der
Blutadel in geistig-kultureller Hinsicht hinter dem
Bürgertum zurück. Krieg, Politik und die Verwaltung
seiner Güter nahmen ihn so sehr in Anspruch, daß seine
geistigen Fähigkeiten und Interessen vielfach verkümmerten.
Diese historischen [Jrsachen neuzeitlicher Adelsdämmerung wurden noch durch physiologische verstärkt. An Stelle des harten, mittelalterlichen Kriegsdienstes brachte die Neuzeit dern Adel meist arbeitsloses
Wohlleben; aus dern bedrohtesten Stand wurde derAdel
durch seinenErbreichtum allmählich zum gesichertsten;
dazu kamen noch die degenerativen Einflüsse übertriebener Inzucht, denen der englische Adel durch
häufige Mischung mit bürgerlichem Blute entging. Durch
das Zusammenwirken dieser Umstände verf iel der
physische, psychische und geistige Typus
einstigen Adels.
Der Hirnadel konnte den Blutadel nicht ablösen, weil
auch er sich in einer Krise, in einem Verfallzustand

befindet. Demokratie entstand aus verlegenheit: nicht
deshalb, weil die Ivlenschenkeinen Adel wollten, sondern
deshalb. weil sie keinen Adel fanden. sobald sich ein
neuer. echter Adel konstituiert, wird Demokratie von
selbst verschrvinden. weil England echten Adel besitzt,
blieb es, trotz seiner demokratischen verfassun$, aristo-

:

kratisch.
D e u t s c h l a n d sv,o r
Der akademische Hirnadel
einem Jahrhundert Führer der Opposition gegen Absolutismus und Feudalismus, Vorkämpfer moderner und
freiheitlicher Ideen, ist heute ^)t Hauptstütze der
Reaktion, zum Hauptgegner geistiger und politischer
Erneuerung herabgesunken. Diesep Pseudo-Geistesadel
Deutschlands rvar im Kriege Anwalt des Militarismus, in
der Revolution verteidiger des Kapitalismus. Seine I,eitrvorte: Nationalismus, N{ilitarismus, Antisemitisrnus,
"
Alkoholismus. sind zugleich die Losungsrvorte im
Kampfe rvider den Geist. Ihre verantrvortungsreiche
Mission: den Feudaladel abzulösenund den Geistesadel
vorzubereiten, hat die akadernische Intelligenz verkannt,
verleugnet, verraten.
Auch die publizistische Intelligenz hat ihre
Führermission verraten. Sie, die berufen war, geistige
Führerin und Lehrerin der Massen zu werden' zu ergänzen und zu verbessern, was ein rückständiges Schulsystem versäumt und verbrochen hat - erniedrigte sich
in ihrer ungeheuren l\{ehrheit zur Sklavin des Kapitals.
zur verbildnerin des politischen und künstlerischen
Geschmackes.Ihr Charaliter zerbrach unter dem Zs'ang,
fremde zu vertreten und zu
statt eigener L*berzeugungen
ihr Geist verflachte citrrch die tlberverteidigen
pr.ocluktion, zu der ihr Beruf sie zrvingt.
Wie der Rhetor der Antike, so steht der Journalist der
36

Neuzeit irn Zentrum der Staatsmaschine: er bewegt die
Wähler, die Wähler die Abgeordneten, die Abgeordneten
die Minister. So fällt dem Journalisten die höchste Verantwortung für alles politische Geschehenzu: und gerade
er, als typischer Vertreter urbaner Charakterlosigkeit,
fühlt sich meist von jeder Verpflichtung und Verantu'ortung frei.
Schule und Presse sind die beiden Punkte, von
denen aus die Welt sich unblutig, ohne Gewalt erneuern
u n d v e r e d e l nl i e ß e .D i e S c h u l e n ä h r t o d e r v e r g i f t e t d i e S e e l ed e s K i n d e s ; d i e P r e s s en ä h r t
oder vergiftet die Seele des Errvachsenen.
Schule und Presse sind heute beide in den Händen einer
ungeistigen Intelligenz: sie in die Hände des Geistes
zurückzulegen, wäre die höchste Aufgabe jeder idealen
Politik, jeder idealen Revolution.
Die Herrscherdynastien Europas sind durch Inzucht
herabgekommen; die Plutokratendynastien durch Wohll e b e n .D e r B l u t a d e l v e r k a m , w e i l e r f ) i e n e r
der Monarchie wurde; der Geistesadelverkam, weil er Diener des Kapitals rvurde.
Beide Aristokratien hatten vergessen,daß mit jedem
Vorzug, mit jedel Auszeichnung und Ausnahmestellung
v e r k n ü p f t i s t . S i eh a b e nd e n W a h l Velantrvortung
spruch alles rvahren Adels verlernt: ,,Noblesse
Sie rvollten die Friichte ihrer Vorzugsstellung
oblige!"
genießen, ohne deren Pflichten zu tragen; fühlten sich
als Herren und Vorgesetzte, nicht als Führer und Vorbilder ihrer Mitmenschen. Statt dem Volke neue Ziele
zu weisen, neue Wege zu bahnen, ließen sie sich von
Herrschern und Kapitalisten zu Werkzeugen ihrer Interessen mißbrauchen: urn Wohlleben, Ehrenstellen u-rnd
Geld verkauften sie ihre Seelen, ihr Blut und ilrr Hirn"
37

Der alte Adel des Blutes und des Hirnes hat den
Anspruch verloren, weiter noch als Aristokratie zu
gelten; denn es fehlen ihm die Zeichen allen echten
Adels: Charakter, Freiheit, Verantwortung.Die Fäden,
die sie mit ihren Völkern verbanden, haben sie zers c h n i t t e n :d u r c h S t a n d e s d ü n k e l a u f d e r e i n e n .
B i l d u n g s d ü n k e l a u f d e r a n d e r e nS e i t e .
Es liegt im Sinne historischerNemesis,daß die große
Sintflut, die von Rußland ihren Ausgang nimmt, auf
blutigem oder unblutigem Wege die Welt von den Usurpatoren reinigt, die ihre Vorzugsstellungenbehaupten
wollen, während sie längst deren einstigeVoraussetzungen verloren haben.

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38
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8. PLUl'0KRA'TIE
Bei dern Tiefstand des Blut- und Geistesadelswar es
nicht zlr venvundern, daß eine dritte \{enschenklasse
p r o v i s o r i s c hd i e ] l a c h t a n s i c h r i ß : d i e P l u t o k r a t i e .
Die Yerfassungsform. die Feudalismus und Absolutismus ablöste. \var demokratisch; die Herrschaftsform
p l u t o k r a t i s c hH. e u t e i s t D e m o k r a t i e
Fassade der
Plutokratie:
w e i l d i e V r i l k e r n a c k t e P l u t o k r a t i en i c h t
dulden würden, wird ihnen die nominelle i\{acht überlassen.während die faktische Macht in den Händen der
i)lutokraten ruht. In republikanischen wie in monarchischen Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten. clie Kapitalisten Drahtzieher: sie diktieren die
Richtlinien der Politik. sie beherrschen durch Ankauf
der öflenilichen \Ieinung die \\'ähler, durch geschäftIiche und gesellschaftliche Beziehungen die lVlinister.
An die Steile der feudalen Gesellschaftsstrukturist die
plutokratische getleten: nicht mehr die Geburt ist maßgebend für die soziale Stellung, sondern das Einkommen.
Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der
Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.
-{ls es noch wahren Rlutadel gab, war das System der

E

Geburtsaristokratie gerechter als heute das der Geldaristokratie: denn damals hatte die herrschende Kaste
'Iradition
Verantwortungsgefühl, Kultur,
während
die Klasse, die heute herrscht, alles Verantwortungsgefühles, aller Kultur und Tradition bar ist. Vereinzelte
Ausnahmen ändern nichts an dieser Tatsache.
Während die Weltanschauung des Feudalismus
heroisch-religiös war, kennt die plutokratische Gesellschaft keine höheren Werte als Geld und Wohlleben:
die Geltung eines Menschen wird taxiert nach dem, was
er h a t, nicht nach dem, was er i s t.
in
D e n n o c hb i l d e n d i e F ü h r e r d e r P l u t o k r a t i e
gewissem Sinne eine Aristokratie, eineAuslese: denn zur ErrafTung großer Vermögen sind eine
Reihe hervorragender Eigenschaften nötig: Tatkraft,
Umsicht. Klugheit, Besonnenheit, Geistesgegenwart,
Initiative, Verrvegenheit und Großzügigkeit. Durch diese
Vorzüge legitimieren sich die erfolgreichen Großunternehmer als moderne Eroberernaturen, deren überlegene
Willens- und Geisteskraft ihnen iiber die }Iasse minderwertiger Konkurrenten den Sieg brachte.
Diese Überlegenheit der Plutokraten gilt jedoch nur
innerhalb der erwerbenden Menschenklasse - sie verschrvindet sofort, wenn jene hervorragenden Geldverdiener gemessen werden an den hervorragenden Vertretern idealer Berufe. Es ist also gerecht, daß ein
tüchtiger Industrieller oder Kauftnann rnateriell und
sozia.lhöher eufsteigt als seine untiichtigen Kollegen ungerecht aber ist es. da{3seine gesellschaftliche}Iacht
und Geltung höher ist als die eines Künstlers. (lelehrten,
Politikers, Schrif'tstellers.Lehrers, Richters. Arztes. der
in seinem Berufe ebenso fähig ist rvie jener, dessen
Fähigkeiten iedoch iclealelen und sozialeren Zielen
40

a
=

dienen: daß also das gegenwärtige Gesellschaftssystem
die egoistisch-materialistische Mentalität prämiert gegenüber einer altruistisch-idealen.
I n d i e s e rB e v o r z u g u n g e g o i s t i s c h e r T ü c h tigk eit gegenüber altruistischer,
materialistigegentiber
scher
idealistischer liegt das Grundübel der
kapitalistischen Gesellschaftsstruktur;während die wahren Aristokraten des Geistes und Herzens: die Weisen
und die Gütigen, in Armut und Ohnmacht leben, usurpieren egoistische Gewaltmenschen die trührerstellung,
zu der jene berufen wären.
So ist Plutokratie in energetischer und intellektueller
Hinsicht Aristokratie - in ethischer und geistiger Beziehung Pseudo-Aristokratie; innerhalb der Erwerbsklassen Aristokratie -_ an idealeren Berufen gemessen
Pseudo-Aristokratie.
Wie die Aristokratie des Blutes und des Geistes, so
befindet sich auch die des Geldes gegenwärtig in einer
V e r f a l l s p e r i o d e . D i e S ö h n eu n d E n k e l j e n e r g r o ß e n
Llnternehmer, deren Wille, durch Not und Arbeit
gestählt, sie aus dem Nichts zur Nlacht emporgeführt
hatte, erschlaffen zurneist in Wohlleben und Untätigkeit.
Nur selten vererbt sich die r'äterliche Tüchtigkeit oder
sublimiert sich zu geistigerem und idealerem Schaffen.
Den Plutokratengeschlechtern fehlt jene Tradition und
Weltanschaullng, jener konservativ-rustikale Geist, der
einst die Adelsgeschlechter jahrhundertelang vor Entartung bewahrt hatte. Schwächlit:he Epigonen über,
nehmen das Machterbe ihrer Väter ohne die Gaben des
Willens und Verstandes, durch die es errafft worden rvar.
'Iüchtigkeit
\{acht und
geraten in Widerspruch: und
unterhöhlen so die innere Berechtigung desKapitalismus.
Die historische Entwicklung hat diesen natürlichen
CL

des
die
Verfall beschleunigt' Durch
.Hochkonjunktur
eine neue SchieberKrieges u*po,gtt'igen' beginnt
zrr
diJ dte Unternehmer-Plutokratie
Plutokratie
während mit der Bereizersetzen,rro ,, *rdrängen.
der Volkswohlstand wächst'
cherung des Unter"tt'*t'I
des Schiebers'Die Untersinkt er mit der Bereicherung
Wirtschaft - die Schieber
nehmer sind ftit"e' aet
ist produk: nternehmertum
d e r e nP a r a s i t e nU
KapiSchiebertum unproduktiver
tiver
talismus.
erleichtert skrupelDie gegenwärtigeHochkonjunktur
gewissenlosenNlenschenden
losen, hemmung'iot"" und
und Schiebergewinne
Gelderwerb. Fär Spekulationsunentbehrlicher als
sind Glück und ntäft'ittttslosigkeit
Verstandesgaben'So reprähervorragendeWillens- und
eine
Schieber-Plutokratie eher
sentiert die *oJ""t"
a l s e i n eA r i s t o Kakistok,"tlt a"t Charakters
die zunehmendeVerkratie der fti"ttiigt"it' Durch
Unternehmertum uncl
wischung der Grerizen zwischen
vor dem Forum des
Schiebertu- *i'a der Kapitalismus
kompromittiert und
Geistes und a"' Ön"t'iti"t'tt"it
!rerabgezogen.
ohne moralischeAutoKeine Aristokratie kann sich
di"
auo","i- nthaupten' Sobald
..h:tttchende
rität
ästhetischerWerte
und
ethischer
Symbol
Klasseaufhört,
zu sein. rvird ihr Sturz unaufhaltsam'
Aristokratieltgemessen'
Die Plutokratieist, an anderen
Sie erfüIlt die politischen
arm an ästhetischenWerten'
ohne die Kulturrverte
Funktionen ei""' Aristokratie'
nur im
' eichtum ist aber
e i n e sA d e l sz u b i e t e n R
n u ra l s ' f r ä g e r
Kleide der schönheit erträglich'
gerechtfertigt. Indessenhüllt
einer ästhetische' Kurtur
Geschmacklosigkeitund
sich die neue Plutokratie in öde
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aufdringliche Häßlichkeit: ihr Reichtum wird unfruchtbar und abstoßend.
Die europäische Plutokratie vernachlässigt
im
Gegensatzzur amerikanischen- ihre ethische Mission
ebensosehr wie ihre ästhetische: soziale Wohltäter
großen Stiles sind ebenso spärlich wie Mäzene. Statt
i h r e n D a s e i n s z w eicmk s o z i a l e n K a p i t a l i s m u s z u
erblicken, in der Zusamrnenfassungdes zersplitterten
Volksvermögenszu großzügigenWerken schöpferischer
Humanität - fühlen sich die Plutokraten in ihrer
erdrüchendenMehrheit berechtigt, ihr Wohlleben verantwortungslos auf X{assenelendaufzubauen. Statt
Treuhändler der Menschheit sind sie Ausbeuter.statt
Führer Irreführer.
Durch diesen ilIangel an ästhetischerund ethischer
Kultur zieht sich die Plutokratie nicht nur den Haß,
sondern auch die Verachtung der öffentlichen Meinung
und ihrer geistigenFührer zu: da sie es nicht verstand,
Ädel zu werden,muß sie fallen.
Die russische Revolution bedeutet für clie plutokratischeGeschichtsepoche
den Anfang vom Ende. Selbst
wenn Lenin unterliegt. n'ird sein Schatten ebensodas
zwanzigste Jahrhundert beherrschen, wie die französischeRevolution trotz ihres Zusammenbruchesdie
Entwicklung des neunzehntenbestimmt hat: nie hätten
im kontinentalenEuropa Feudalismusund Absolutismus
freiwillig abgedankf - vrsnn nicht aus Angst vor einer
Wiederholung jakobinischen Terrors, vor dern Ende des
französischen Adels und Königs. So wird es dem
Damoklesschwert bolschewistischenTerrors schneller
gelingen,die Herzen der Plutokraten zu erweichenund
sozialenForderungen zugänglich zu machen als in zwei
Jahrtausendendem Evangelium Christi.

9. tsLUTADEL UND ZUKUNFTSADEL
Adel beruht auf körperlicher, seelischer, geistiger
Schönheit;Schönheitauf vollendeterHarmonie und
wer darin seineMitwelt überVitalität:
gesteigerter
ragt, ist Aristokrat.
Der alte aristokratischeTypus ist im Aussterben;der
neue noch nicht konstituiert. unsere Zwischenzeitist
bettelarm an großen Persönlichkeiten: an schönen
Menschen; an edlen l{enschen; an rveisenllenschen'
Indessenusurpieren Epigonen des versunkenenAdels
die toten Formen einstiger Aristokratie und füllen sie
mit dem Inhalt ihrer armseligen Bürgerlichkeit' Die
starke Lebensfülle einstigenAdels ist auf Emporkömmlinge iibergegangen:doch ihnen fehlen seine Formen,
seine Vornehmheit,seine Schönheit.
Dennoch braucht die ZeIt an der Idee des Adels' an
der Zukunft eines Adels nicht zu verzweifeln.Will die
Menschheit vorwärtsschreiten. braucht sie Führer,
Lehrer, Wegweiser;Erfüllungen dessen.was sie rverden
will; Vorläufer ihrer kiinftigen Erhebung in höhere
S p h ä r e nO. h n e A d e l k e i n e E v o l u t i o n . E u d ä m o evolutionin i s t i s c heP o l i ti k ka n n d e mo kratisch
s t i s c h e P o l i t i k m u ß a r i s t o k r a t i s c h s e i n .U m
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emporzusteigen, um vorwärtszuschreiten sind Ziele
nötig; um Ziele zu erreichen,sind Menschennötig, die
Ziele setzen,zu Zielenführen: Aristokraten.
Der Aristokrat als Führer ist ein politischer Begriff;
Ideal. Höchste
der Adeligeals Vorbild ist ein ästhetisches
Forderung verlangt, daß Aristokratie mit Adel, Führer
mit Vorbild zusammenfällt: daß vollendeten lVlenschen
die Ftihrerschaftzufällt.
Von der europäischenQuantitätsmenschheit,
die nur
an die Zahl, die trIasse glaubt, heben sich z w e i
Q u a l i t ä t s r a s s e na b : B l u t a d e l u n d J u d e n t u m .
Voneinandergeschieden,halten sie beide fest am Glauben an ihre höhere N{ission,an ihr besseresBlut, an
menschlicheRangunterschiede.In diesen beiden heterogenen\/orzugsrassenliegt der Kern des europäischen
Zukunftsadels:im feudalenBlutadel,soweiter sich nicht
vom Hofe, im jüdischen llirnadel, soweit er sich nicht
vom Kapital korrumpieren ließ. Als Bürgschaft einer
besserenZukunft bleibt ein kleiner Rest sittlich hocllstehendenRustikaladelsund eine kleine Kampfgruppe
revolutionärerIntelligenz.Hier wächst die Gemeinschaft
zrn'ischen
L e n i n, dem l\{ann aus ländlichernKleinadel,
u n d T r o t z ki , d e m j ü d i sch e nL i ter aten,zum Sym bol:
von Charakterund
hier versöhnensich die Gegensätze
Geist, von Junker und Literat, von rustikalem und
urbanem, heidnischemund christlichem Menschenzur
schöpferischenSyntheserevolutionärerAristokratie.
Ein Schritt vorwärts im Geistigenwürde geniigen,um
die besten Elemente des Blutadels,die auf dem Lande
ihre physische und moralische Gesundheitvor den
depravierendenEinflüssender Hofluft bewahrt haben,
in den Dienst der neuen Menschenbefreitrng
zu stellen.
Denn zv dieser Stellungnahme prädestiniert sie ihr



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